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Preise & KostenTrocknung

Was kostet die Trocknung nach einem Wasserschaden?

Geräte, Strom, Fläche, Bauart, Messtechnik – welche Faktoren die Trocknungskosten wirklich treiben, wer zahlt und wie ein seriöses Angebot aussieht.

trock24 Redaktion · 19. Juni 2026 · 7 Min. Lesezeit
Was kostet die Trocknung nach einem Wasserschaden?

Ein Wasserschaden ist stressig genug – doch spätestens wenn die Bautrockner aufgestellt sind, stellt sich die Frage: Was kommt da auf mich zu? Pauschale Preisaussagen sind in der Trocknungsbranche mit Vorsicht zu genießen, denn die Kosten hängen von einer Vielzahl technischer und baulicher Faktoren ab. Dieser Ratgeber erklärt, welche Parameter die Gesamtrechnung bestimmen, wie die professionelle Trocknung abgerechnet wird und was eine Gebäudeversicherung typischerweise übernimmt.

Die sechs entscheidenden Kostenfaktoren

Wer verstehen möchte, warum zwei scheinbar ähnliche Wasserschäden zu sehr unterschiedlichen Rechnungen führen können, muss die wesentlichen Einflussgrößen kennen. Ein detaillierter Überblick zu Verfahren und Zeiträumen findet sich auch im Beitrag Bautrocknung – Dauer und Kosten.

KostenfaktorWarum er wichtig istTypische Bandbreite des Einflusses
Geräteanzahl & GeräteklasseMehr oder leistungsstärkere Geräte bedeuten höhere Tagesmiete, aber oft auch kürzere LaufzeitGering bei kleinen Schäden, hoch bei Großschadenslagen
Laufzeit der TrocknungBestimmt direkt, wie viele Tage Miete und Strom anfallen; abhängig von Bauart und AusgangsfeuchteWenige Tage bis mehrere Wochen
StromverbrauchKondensations- und Adsorptionstrockner sind Dauerverbraucher; bei langer Laufzeit ein relevanter PostenSteigt linear mit Gerätezahl und Laufzeit
Schadensfläche & RaumvolumenGrößere oder mehrere betroffene Räume erfordern mehr Geräte und MesspunkteKleiner Schaden vs. Mehrfamilienhaus: erhebliche Spreizung
Bauart & BauteilaufbauSchwimmender Estrich, Fußbodenheizung oder Hohlraumböden verlängern die Trocknungszeit deutlichMassivbau trocknet anders als Leichtbau oder Altbau
Feuchtemesstechnik & DokumentationRegelmäßige Feuchtemessungen (Protokoll, Messblatt) sind Pflicht für Versicherungsnachweis und QualitätssicherungFixer Anteil je Messtag, skaliert mit Dauer
Übersicht der Hauptkostenfaktoren bei der professionellen Gebäudetrocknung

Einfluss der Faktoren auf die Gesamtkosten

Relativer Einfluss (1–10)Laufzeit der TrocknungSehr hochBauart & BauteilaufbauHochGeräteanzahl & -klasseHochSchadensflächeMittel–hochStrom & BetriebskostenMittelMesstechnik & DokumentationGering–mittel
Relativer Einfluss der Kostenfaktoren auf die Gesamtrechnung (Expertenschätzung, schematisch)

Laufzeit: der größte Einzelhebel

Die Trocknungsdauer ist erfahrungsgemäß der bedeutendste Kostentreiber. Sie wird beeinflusst durch den initialen Wassergehalt der Bauteile, die Raumtemperatur, den Luftwechsel und – ganz entscheidend – den Bauteilaufbau. Ein schwimmender Estrich über einer Fußbodenheizung speichert Feuchtigkeit in schwer zugänglichen Schichten und kann die Trocknung gegenüber einem freien Betonuntergrund um ein Vielfaches verlängern. Typische Richtwerte: einfacher Wandputz einige Wochen, Nassestrich je nach Dicke 4–8 Wochen, Fußbodenheizungsestrich sogar bis zu 10–12 Wochen. Professionelle Trocknung setzt deshalb zunächst auf eine präzise Schadensanalyse, bevor Geräte dimensioniert werden.

Gerätemiete, Strom und Nebenkosten – wie wird abgerechnet?

Seriöse Fachbetriebe rechnen in der Regel nach Tagespauschalen je Gerät ab, zuzüglich Anfahrt, Auf- und Abbau sowie der laufenden Messtechnik. Der Stromverbrauch wird entweder nach einem pauschalierten Tageswert oder über einen Zwischenstecker erfasst. Fragen Sie immer, ob Messprotokoll-Erstellung, Dokumentation und eventuelle Zusatzarbeiten (Kernbohrungen für Estrichtrocknung, Bauteilöffnungen) separat berechnet werden. Transparenz in diesen Punkten unterscheidet ein seriöses von einem unseriösen Angebot.

Kondensations- und Adsorptionstrockner: die zwei Hauptgerätetypen

In der Praxis kommen hauptsächlich zwei Gerätekategorien zum Einsatz: Kondensationstrockner arbeiten effizient bei Raumtemperaturen ab etwa 15 °C und sind für die meisten Innenbereiche geeignet. Fällt die Temperatur darunter – etwa in unbeheizten Kellern im Winter – verlieren sie deutlich an Leistung. In solchen Fällen kommen Adsorptionstrockner zum Einsatz, die auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig arbeiten, jedoch einen höheren Energieverbrauch haben. Ergänzende Bauheizgeräte können die Effizienz unterstützen, erhöhen den Strombedarf aber zusätzlich.

Messtechnik: CM-Messung als Goldstandard

Professionelle Trocknung endet nach Messwert, nicht nach Gefühl oder Zeitplan. Regelmäßige Feuchtemessungen begleiten den gesamten Prozess. Dabei ist zu unterscheiden:

  • CM-Messung (Calciumcarbidmethode): Das normativ anerkannte Standardverfahren für Estrich und tragende Bauteile. Die Ergebnisse sind gerichtsfest und für Versicherungszwecke anerkannt (DIN 18560). Erst wenn der materialspezifische Zielwert erreicht ist – zum Beispiel unter 2 CM-% bei Zementestrich – gilt die Trocknung als abgeschlossen.
  • Kapazitive Schnellmessung: Zerstörungsfreies Suchverfahren zur Eingrenzung feuchter Bereiche. Gut geeignet zur Verlaufskontrolle und Orientierung, jedoch allein nicht als Nachweismethode für Versicherungszwecke anerkannt.
  • Mikrowellen-Feuchtemessung: Ergänzendes Verfahren zur berührungsfreien Tiefenmessung in Bauteilen, dort eingesetzt, wo CM-Probennahme schwer möglich ist.

Wer zahlt? Versicherung und Kostenübernahme

Bei einem Leitungswasserschaden (z. B. geplatztes Rohr, defekte Hausinstallation) übernimmt in aller Regel die Wohngebäudeversicherung die Trocknungskosten, sofern eine entsprechende Police besteht. Wichtig ist dabei, den Schaden unverzüglich zu melden – das heißt ohne schuldhaftes Zögern, in der Praxis innerhalb von 24 bis 48 Stunden (§ 30 VVG).

Bei Elementarschäden (Überschwemmung durch Hochwasser, Starkregen, Rückstau) greift die Standard-Wohngebäudepolice nicht. Hier ist eine separat abgeschlossene Elementarschadenversicherung erforderlich. Wer einen bestehenden Vertrag hat, sollte diesen aktiv auf Elementarschutz prüfen und ggf. nachbuchen.

Richtiges Verhalten nach dem Schaden: Schritt für Schritt

  1. Sofortmaßnahmen zur Schadensbegrenzung einleiten: Wasserzufuhr abstellen, Elektroanschlüsse sichern, stehendes Wasser abpumpen. Das ist nicht nur erlaubt, sondern gemäß § 82 VVG (Schadenminderungspflicht) sogar geboten.
  2. Schaden dokumentieren: Fotos und Videos vom Originalzustand machen, bevor aufgeräumt oder umgebaut wird. Dieser Nachweis ist für die Versicherungsregulierung unerlässlich.
  3. Schaden unverzüglich der Versicherung melden (§ 30 VVG) und Schadennummer anfordern – in der Praxis innerhalb von 24 bis 48 Stunden.
  4. Schadenort nicht eigenhändig aufreißen oder größere Abbrucharbeiten vornehmen, bevor der Versicherer oder ein Gutachter die Situation geprüft hat. Einfache Trocknungsmaßnahmen und das Aufstellen von Bautrocknern sind dagegen ausdrücklich zulässig.
  5. Fachbetrieb mit schriftlichem Kostenvoranschlag beauftragen – die Versicherung prüft diesen in der Regel vor Freigabe.
  6. Trocknungsgeräte aufstellen, laufende Feuchtemessungen protokollieren lassen.
  7. Abschlussmessung (CM-Messung) und Abnahmeprotokoll für den Versicherungsnachweis sichern.

So erkennen Sie ein seriöses Angebot

  • Vor-Ort-Besichtigung: Kein seriöser Betrieb gibt einen Festpreis ohne Inaugenscheinnahme.
  • Schriftlicher Kostenvoranschlag: Einzelpositionen (Gerätemiete, Geräteklasse, Messtechnik, Strom, Anfahrt) müssen ausgewiesen sein.
  • Zertifizierung & Messtechnik: Einsatz der CM-Messung als normativ anerkanntem Verfahren (DIN 18560) sowie kapazitiver Schnellmessgeräte zur Verlaufskontrolle – mit Dokumentation je Messtag.
  • Keine Vorauskasse ohne Vertrag: Abrechnung nach Leistungsnachweis, nicht pauschal im Voraus.
  • Abschlussprotokoll: Schriftlicher Nachweis der erreichten Zielfeuchte – unverzichtbar für die Versicherungsabrechnung und spätere Gewährleistung.

Fazit: Kosten verstehen statt Pauschalpreisen vertrauen

Die Kosten einer professionellen Trocknung sind das Ergebnis technisch begründeter Einzelfaktoren – keine Willkür, aber auch keine Einheitsgröße. Wer die Hebel kennt (Laufzeit, Bauart, Geräteaufwand) und die Versicherungsregeln versteht, kann das Angebot des Fachbetriebs besser einordnen und im Dialog mit der Versicherung souverän auftreten. Für weitergehende Informationen zur professionellen Gebäudetrocknung sowie zum Thema Bautrocknung – Dauer und Kosten stehen unsere Ratgeberseiten bereit.

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