Dürre 2026: Risse im Haus – was dahintersteckt, wer zahlt
Der Sommer 2026 hat die Böden in Bayern vielerorts stärker ausgetrocknet als in den Dürrejahren 2018 und 2022. Das hinterlässt Spuren am Haus: Setzrisse über Fenstern, klemmende Türen – und womöglich eine Leitung, die unbemerkt undicht wird. Was der Boden mit dem Haus macht, welche Risse ernst sind und warum die Versicherungsfrage unbequem ausfällt.

Die Zahlen des Sommers 2026 sind amtlich – und sie sind bemerkenswert: Der Deutsche Wetterdienst meldete Anfang August, die Böden seien in Teilen Deutschlands „ungewöhnlich stark ausgetrocknet“, im Süden verbreitet sogar trockener als in den Dürrejahren 2018 und 2022. Der Zeitraum von Anfang November bis Ende Juli fiel in Deutschland seit 1882 nur zweimal trockener aus. Am Rhein-Pegel Kaub stand das Wasser Mitte August so niedrig wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen – der bisherige Rekord von 25 Zentimetern aus dem Oktober 2018 wurde deutlich unterboten. Und in Bayern fehlt dem laufenden Abflussjahr – dem hydrologischen Messjahr, das am 1. November beginnt – rund ein Drittel des üblichen Niederschlags.
Die Fakten in diesem Beitrag stammen aus der DWD-Pressemitteilung zur Trockenheit vom 6. August 2026, den GDV-Medieninformationen vom 18. August 2026, dem Niedrigwasser-Lagebericht Bayern des Niedrigwasser-Informationsdienstes (Stand 28. August 2026), einem Urteil des Landgerichts Deggendorf (Az. 23 O 445/19), den GDV-Musterbedingungen VGB 2022 sowie der Ursachenstatistik des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS).
Warum trockener Boden Häuser bewegt
Bindige Böden – also Ton, Lehm und tonhaltiger Löss – verhalten sich wie ein Schwamm: Feucht quellen sie auf, trocken schrumpfen sie. In normalen Sommern betrifft das nur die obersten Dezimeter. Nach mehreren Hitzewellen und einem Niederschlagsdefizit, das seit März anhält, greift die Austrocknung deutlich tiefer – bis in Schichten, auf denen Fundamente stehen.
Schrumpft der Boden unter einem Haus ungleichmäßig – etwa weil eine Gebäudeecke in der Sonne steht, ein Baum dem Untergrund zusätzlich Wasser entzieht oder der Baugrund wechselt –, dann senken sich Teile des Gebäudes stärker als andere. Das Mauerwerk quittiert diese ungleiche Bewegung mit den typischen schrägen Rissen. Betroffen sind vor allem ältere Häuser mit flacher Gründung auf tonhaltigem Untergrund; Bauten mit tiefen Fundamenten oder auf Kies und Fels bleiben meist verschont.
Bayern ist in diesem Sommer besonders betroffen: Der Niedrigwasser-Lagebericht weist – gemessen am Trockenheitsindex SPI, der den Niederschlag der letzten 90 Tage am langjährigen Mittel misst – für große Teile Südbayerns und für Unterfranken „extrem trockene Verhältnisse“ aus. An 81 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen herrschen niedrige bis sehr niedrige Stände, rund 8 Prozent der Messstellen registrieren neue Niedrigstwerte – Schwerpunkt Südbayern. Der Wasserentzug reicht also messbar in die Tiefe.
Die Warnzeichen am Gebäude
- Schräge Risse über Fenstern und Türen: Setzrisse verlaufen typischerweise diagonal, oft treppenförmig entlang der Mörtelfugen – anders als das feine, netzartige Rissbild reiner Putzrisse.
- Türen und Fenster klemmen plötzlich: Wenn sich Rahmen verziehen, hat sich der Baukörper bewegt.
- Risse, die im Sommer wachsen: Trockenheitsbedingte Risse öffnen sich in der Dürre weiter und schließen sich nach ergiebigem Regen teilweise wieder.
- Fugen zwischen Anbau und Haupthaus: Unterschiedlich gegründete Bauteile setzen sich unterschiedlich stark – die Verbindungsfuge reißt zuerst.
- Absätze an Terrasse, Außentreppe oder Sockel: Auch Bauteile ohne tiefe Gründung zeichnen die Bodenbewegung nach.
Nicht jeder Riss ist ein Alarmsignal – feine Haarrisse im Putz sind meist kosmetisch. Ernst nehmen sollte man Risse, die sichtbar wachsen, durch das Mauerwerk (nicht nur den Putz) laufen oder an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten. Eine einfache Gipsmarke über dem Riss, mit Datum beschriftet, zeigt, ob die Bewegung anhält: Reißt der Gips, arbeitet das Haus weiter.

Von der Setzung zur versteckten Leckage
Was am Mauerwerk sichtbar wird, passiert genauso im Verborgenen: Wasser- und Abwasserleitungen queren Fundamente, Bodenplatten und Wände. Setzt sich das Gebäude, geraten starre Leitungen und ihre Verbindungen unter mechanische Spannung – besonders an den klassischen Schwachpunkten: dem Hausanschluss, Durchführungen durch die Bodenplatte und Übergängen zwischen Bauteilen, die sich unterschiedlich bewegen. Muffen können sich lockern, spröde Materialien reißen ein.
Woran Leitungen versagen, zeigt die Ursachenstatistik des IFS (Untersuchungen 2016–2025): Nahezu 40 Prozent der untersuchten Leitungswasserschäden gehen auf Installations- und Montagefehler zurück. Und betrachtet man die betroffenen Bauteile, sitzt mehr als jeder vierte Schaden an Verbindungen und Dichtungen (27 Prozent); echte Rohrbrüche machen 18 Prozent aus. Genau diese Schwachpunkte sind es, die mechanische Spannung am wenigsten vertragen. Setzungsbewegungen – auch trockenheitsbedingte – können aus einer vorgeschädigten Verbindung ein Leck machen. Weil das Wasser dann zunächst unsichtbar unter der Bodenplatte oder im Erdreich versickern kann, fällt ein solches Leck nicht immer sofort auf.
Der Verdacht lässt sich ohne Werkzeug prüfen: alle Zapfstellen schließen, keine Wasch- oder Spülmaschine laufen lassen – den Zählerstand notieren und nach einer Stunde vergleichen. Hat sich der Zähler bewegt, verliert die Trinkwasser-Installation irgendwo Wasser – den geschlossenen Heizkreis erfasst der Zähler nicht. Weitere Indizien: feuchte Sockel oder muffiger Kellergeruch mitten in der Dürre, einzelne warme Stellen im Fußboden (bei Warmwasserleitungen) oder ein Druckabfall an der Heizung (dort ist zuerst der Heizungsbauer gefragt, siehe unseren Beitrag Heizung verliert Druck). Erhärtet sich der Verdacht auf ein Leck, lohnt eine professionelle Leckortung – mit Thermografie, Akustik und Spürgas (Tracergas) wird die Schadstelle eingegrenzt, bevor aufgestemmt wird, und die Dokumentation kann als Nachweis gegenüber der Versicherung dienen.
Wer zahlt was?
| Schaden | Zuständig | Wichtig zu wissen |
|---|---|---|
| Setzrisse durch geschrumpften Boden | In der Regel niemand – Eigentümerrisiko | Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Sturm/Hagel und Leitungswasser; die Elementardeckung „Erdsenkung“ setzt nach den Musterbedingungen eine naturbedingte Absenkung des Erdbodens über naturbedingten Hohlräumen voraus (VGB 2022 A 5.4.4), und Schäden durch „Trockenheit oder Austrocknung“ sind bei den Naturgefahren ausdrücklich ausgeschlossen (A 5.5.5); die Schrumpfung tonhaltigen Bodens in Trockenjahren fiel beim LG Deggendorf nicht unter Erdsenkung |
| Rohrbruch oder undichte Leitung im Haus | Wohngebäudeversicherung (Leitungswasser) | Bestimmungswidrig austretendes Leitungswasser ist nach den unverbindlichen GDV-Musterbedingungen versichert. Aber: Schäden durch Erdsenkung sind ohne Rücksicht auf mitwirkende Ursachen ausgeschlossen (VGB 2022 A 4.5.5) – ob der Versicherer eine trockenheitsbedingte Setzung so einordnet, ist im Einzelfall strittig. Bruchschäden an den Rohren und Installationen selbst sind unterhalb der Bodenplatte nicht versichert, soweit nichts anderes vereinbart ist (VGB 2022 A 4.3). Ihr Vertrag kann abweichen – Ursache und Schadenbild dokumentieren und die eigenen Bedingungen prüfen |
| Nässeschäden an Möbeln und Hausrat | Hausratversicherung | Gleiches Prinzip: Leitungswasserschaden am Inventar |
| Leckortung und Schadenfeststellung | Je nach Vertrag | Das Wort Leckortung kommt in den unverbindlichen Musterbedingungen nicht vor; in Betracht kommt der Ersatz von Kosten für die Ermittlung eines versicherten Schadens bis zur vereinbarten Höhe – vorher mit dem Versicherer abstimmen |
Die unbequeme Wahrheit steht in der ersten Zeile: Für die Risse selbst kommt in aller Regel keine Versicherung auf. Umso wichtiger ist es, die Folgeschäden sauber zu trennen – denn tritt Wasser aus einer Leitung aus, kommt die Leitungswasserdeckung in Betracht; ob sie greift, richtet sich nach Ihrem Vertrag (zum Erdsenkungs-Ausschluss siehe die Tabelle). Eine lückenlose Dokumentation (Fotos mit Datum, Zählerstände, Ortungsprotokoll) entscheidet dann mit darüber, wie glatt die Regulierung läuft.
Wenn der Regen zurückkommt
Auch das Ende der Trockenheit entlastet das Haus nicht sofort: Ausgedörrte, verkrustete Böden können Starkregen zunächst schlechter aufnehmen – dann läuft mehr Wasser oberflächlich ab, genau das Muster, das wir nach den Hitzewellen dieses Sommers bereits beschrieben haben (siehe unseren Beitrag Starkregen nach Hitze). Und wenn die Feuchtigkeit den Boden schließlich wieder durchdringt, quillt er auf: Das Haus, das sich im Sommer gesetzt hat, wird erneut bewegt – diesmal in die Gegenrichtung. Risse können sich dabei teils schließen, teils an neuen Stellen öffnen. Wer seine Risse jetzt dokumentiert, kann später nachvollziehen, was sich verändert hat.
- Risse dokumentieren: Jeden auffälligen Riss fotografieren – mit Datum, Maßstab (Zollstock oder Münze) und Übersichtsbild, damit die Stelle zuzuordnen ist.
- Gipsmarke setzen: Über wachsende Risse eine Gipsmarke mit Datum anbringen. Reißt sie, bewegt sich das Gebäude weiter – dann einen Bausachverständigen oder Statiker hinzuziehen.
- Wasserzähler-Test machen: Alle Zapfstellen zu, eine Stunde warten, Zählerstand vergleichen. Läuft der Zähler, besteht Leckage-Verdacht an der Trinkwasser-Installation.
- Bewässerung mit Augenmaß: Den Boden am Fundament nicht abrupt fluten – gleichmäßige, moderate Feuchte ist besser als der Wechsel zwischen völlig ausgetrocknet und durchnässt.
- Bei Leckage-Verdacht orten lassen: Eine zerstörungsarme Leckortung kann die Schadstelle eingrenzen, bevor großflächig geöffnet wird – ihr Protokoll kann zugleich als Nachweis gegenüber der Versicherung dienen.
Häufige Fragen
Der Baum steht direkt am Haus – muss er weg?
Nicht vorschnell: Ein großer Baum nahe dem Fundament entzieht dem Boden zwar zusätzlich Wasser und kann Setzungen verstärken. Wird er aber gefällt, steigt die Bodenfeuchte dauerhaft an – der Boden quillt, und das Haus wird erneut bewegt, nur in die Gegenrichtung. Vor einer Fällung deshalb Baugrund und Riss-Situation fachlich beurteilen lassen; oft ist ein fachgerechter Rückschnitt die bessere erste Maßnahme.
Muss ich Risse meiner Versicherung melden?
Für die Setzrisse selbst besteht in aller Regel ohnehin keine Deckung – eine Meldung schadet aber nicht und schafft einen dokumentierten Zeitpunkt. Zwingend wird es, sobald ein möglicherweise versicherter Schaden im Raum steht, etwa eine undichte Leitung: Dann gilt die Anzeigepflicht, und je früher Fotos, Zählerstände und ein Ortungsprotokoll vorliegen, desto reibungsloser läuft die Regulierung.
Sind solche Risse gefährlich für die Statik?
Meist nicht sofort: Die typischen Trockenheits-Setzrisse sind zunächst ein Bauschaden, kein Einsturzrisiko. Kritisch wird es, wenn Risse schnell wachsen, sich Bauteile hörbar bewegen oder Türen binnen Wochen unbrauchbar werden – das gehört in die Hand eines Statikers. Für alles andere gilt: beobachten, dokumentieren und die Reparatur in eine Phase stabiler Bodenfeuchte legen – sonst kann die frisch verputzte Stelle im nächsten trockenen Sommer wieder aufreißen.
Und die Elementarversicherung – wofür ist sie dann da?
Für andere Gefahren. Nach den unverbindlichen Musterbedingungen umfasst die Elementardeckung unter anderem Überschwemmung – auch durch Starkregen – und Rückstau, also Gefahren, die nach einer Dürre zum Schaden führen können, wenn ausgedörrte Böden Starkregen schlechter aufnehmen; Ihr Vertrag kann abweichen. Die Erwartung, sie zahle auch die Trockenheits-Setzung, führt allerdings in die Irre; das zeigt die Deggendorfer Entscheidung deutlich. Ob eine Elementardeckung für Sie sinnvoll ist, klärt eine Versicherungsberatung – dieser Beitrag ersetzt sie nicht.
Risse entdeckt, Wasserzähler läuft, feuchte Stelle trotz Dürre? trock24 ortet Leckagen zerstörungsarm und dokumentiert den Befund – als Fachbetrieb für Wasser- und Brandschäden in Bayern: 0800 77 11 999.
Quellen
- § 30 VVG – Anzeige des Versicherungsfalles (gesetze-im-internet.de)
- § 85 VVG – Schadensermittlungskosten (gesetze-im-internet.de)
- LG Deggendorf, Entscheidung vom 21.10.2020 – 23 O 445/19 (dejure.org)
- Rekord-Niedrigwasser am Rhein erhöht Risiko von Transportschäden (GDV-Medieninformation) (gdv.de)
- GDV-Musterbedingungen VGB 2022 – Wohngebäudeversicherung, Wohnflächenmodell (PDF) (gdv.de)
- GDV-Musterbedingungen VHB 2022 – Hausratversicherung, Quadratmetermodell (PDF) (gdv.de)
- IFS-Leitungswasserschadenstatistik 2025 (PDF) (ifs-ev.org)
- Deutscher Wetterdienst zur starken Trockenheit im Sommer 2026 (DWD-Pressemitteilung) (dwd.de)
- Starke Bodentrockenheit (DWD, Thema des Tages) (dwd.de)
- Niedrigwasser-Lagebericht Bayern (nid.bayern.de)
trock24 – Wasser- und Brandschäden in Bayern. Wir messen, trocknen, sanieren und dokumentieren den Schaden mit Fotos und Messwerten. Ob und wie viel gezahlt wird, entscheidet Ihr Versicherer nach Ihrem Vertrag. Der Anruf ist kostenlos.
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